Kuratoren sagen: Gefällt mir. 2

Unter dem hashtag #askacurator lief vergangenen Mittwoch eine weltweite Aktion auf Twitter: Kuratoren von Museen aus aller Welt standen bereit, um Fragen rund um Ausstellungen und Sammlungen zu beantworten. In der Mehrzahl nahmen Kunstmuseen teil, aber auch einige Naturkundemuseen konnten ihre Kuratoren überreden, sich ins soziale Netz zu wagen – so etwa das Natural History Museum  London oder das Naturkundemuseum Berlin. Unter anderem war auch Spinnenkustos Jason Dunlop wieder dabei, den ich neulich  besucht hatte.

Eine der Fragen, die an Kuratoren in aller Welt gestellt wurde: „Welches eurer Exponate bringt die Besucher zum Schmunzeln“?  Die Antworten brachten ein digitales Kuriositätenkabinett hervor,  hier einzusehen: http://www.pinterest.com/erikat80/museumlol/ . Mein persönliches Highlight ist das „Loophonium“, das Fritz Spiegl, bis 1963 Flötist am Royal Liverpool Philharmonic Orchestra,  entworfen und auch an einem 1. April im Orchester gespielt hatte.

Aber auch an der Naturalienfront gibt es Schmunzelexponate:  Das Natural History Museum London berichtet über eine Motte, die ein wohl recht patriotischer Kurator lapidar und ausschliesslich mit „Foreign“ („ausländisch“) beschriftet hatte. Das australische National Maritime Museum besitzt einen zur elektrischen Tischlampe umfunktionierten Walpenis.

Gleich mehrere Museen, so etwa das Auckland Museum und das Dartmouth Museum nannten ihre Exemplare der „Coco de Mer“ als ihr lustigstes Exponat. Hier ist eine:

 

Coco de Mer.
Kuratoren sagen: lustig.
Foto: User WL via Wikimedia cc3

Wieder so ein Beispiel: Gäbe es einen Schöpfer, so hätte er einen sehr speziellen Sinn für Humor.

Die Coco de Mer ist die Nuss der Seychellenpalme. Ein Samen kann bis zu 25 kg schwer werden – und eine Frucht enthält bis zu drei davon. Bis zu sieben Jahre kann es dauern, bis die Frucht herangereift ist.

Kuriuos ist dabei auch, dass die Samen auf verschiedenen Wegen nach Europa kamen, lange bevor man die dazugehörige, weit weniger spektakuläre Pflanze kannte. Seeleute fanden die Nüsse angeschwemmt am Strand und konnten sich keinen rechten Reim darauf machen.

Aber die Form, die sagte den Menschen schon immer etwas – einer der früheren wissenschaftlichen Namen für das Gewächs lautet Lodoicea callipyge. Callipyge bedeutet dabei soviel wie „Schöner Hintern“.

 

2 thoughts on “Kuratoren sagen: Gefällt mir.

  1. Tanja Praske Sep 21, 2013 12:16

    Oh, wunderbar über den #askacurator Tag geschrieben #Ilike. Ich fand den Tag auch faszinierend, sein Museum das zu fragen, was gerade aktuell ist und es antwortet sogleich bzw. andere Museen schalten sich bei allgemein gehaltenen Fragen ein – eine sehr gelungene Aktion.
    Ich habe mich über die Diskussion mit den Museen gefreut und mein liebstes Museum in Paris, das Musée du Cluny, hat wunderbar reagiert. Ich brachte dort viel Zeit zu während meiner Studienzeit und später in der Recherche – sehr hilfsbereite Mitarbeiter und ein Hauch von Wehmut hat mich am #askacurator Tag erfasst.
    Wenn ein Samen der Coco de Mer bis zu 25kg wiegt, wie groß ist dann die Pflanze (?), wenn sie davon drei trägt? Unglaublich.
    Merci für den schönen Artikel.

    Wiesn’ Grüße aus Minga
    Tanja Praske

    • HansZ Sep 21, 2013 12:36

      Danke für den Besuch auf meiner Seite!
      #askacurator fand ich auch spannend – allein schon, dass es gelungen ist, Kuratoren weltweit dazu zu bewegen mitzumachen. Das ging ja rund um die Uhr, von Australien über Europa und dann die Amerikaner dazu.

      Die Seychellenpalme ist ansonsten eigentlich nicht sonderlich spektakulär – eine große starke Palme eben. Ich will aber nicht drunter stehen, wenn so eine Nuss runterfällt!

      Seeleute in vergangenen Jahrhunderten wussten aber noch nicht, dass die Nuss zu einer Palme gehört – sie fanden ja nur die hohlen Früchte, die z.B. an den Malediven angeschwemmt wurden. Manche dachten deshalb, es gebe eine geheimnisvolle Riesenpflanze am Meeresgrund, die die Coco de Mer produziert…auch eine schöne Vorstellung!

      Viele Grüße nach nebenan – hier in Dachau ist die lokale Wiesn schon vorbei.

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