Grippe und Karneval: Daten-Fasching mit Google

Karnevalistenviren
Foto: Yuki 999, cc3, via Wikimedia

Ich gebs zu, ich bin ein Faschings- (Karneval-, Fastnet-) muffel und der Straßen- (Weiber-) fasching (-karneval, -fastnet) kann gerne ohne mich stattfinden. Bei Minusgraden zwischen eh schon verschnupften Menschen stehen, wenig schlafen und Alkohol: Das macht nur den Schnupfen- und Grippeviren so richtig Spaß. Eine kurze Suche bei PubMed, einer Datenbank für biomedizinische Fachartikel, hat aber nichts ergeben, was auf einen Zusammenhang zwischen Narrentreiben und Virenverbreitung hinweisen würde (Ich habe allerdings nicht intensiv gesucht und falls ihr so eine Arbeit kennt, lasst es mich bitte wissen!)

Google stellt alle möglichen Spielzeuge bereit, eins davon heisst „Google Trends“ . Man kann dort Suchbegriffe eingeben und GoogleTrends wirft aus, wie oft die Benutzer nach diesen Begriffen gesucht haben. Können wir damit vielleicht herausfinden, ob der Karneval die Grippeverbreitung fördert? Probieren wir’s aus: Dieses Google-Trends-Diagramm zeigt das Volumen der Suchanfragen nach „Karneval“ in blau und Anfragen nach „Grippe“ in rot.

 

Ha! Wenn die Leute “Karneval” googeln, dann suchen sie etwa zur gleichen Zeit auch vermehrt nach “Grippe” (Der große Extra-Peak im Sommer 2009 hat seine Ursache wahrscheinlich in der  H1N1-Epidemie).  Sollte ich das jetzt zu Nature  schicken  - “German carneval causes flu epidemics” ?  Lieber nicht. „Korrelation bedeutet nicht Kausalität“ sagt der Klugscheisser und meint damit in diesem Fall: Nur weil Karneval und Grippe zeitlich zusammenfallen, ist das kein Beleg,dass das eine das andere verursacht. Es mag sein, dass der Karneval für die Virenverbreitung wirklich eine Rolle spielt; aber Februar ist einfach Grippe-Saison, Karneval hin oder her. Daran sollte man denken, wenn die Krawall-Blätter wieder Schlagzeilen nach dem Muster “Kaffee verursacht Krebs“ raushauen. Bei genauem Hinsehen stellt sich bei vielen dieser Medienberichte heraus, dass die Forscher nur eine Korrelation gefunden haben, aber nicht viel über Ursache-Wirkung sagen können. Um ursächliche Zusammenhänge zu belegen, muss man eine Interventionsstudie entwerfen: Das heißt, man müsste den Karneval mal kontrolliert ausfallen lassen (z.B. nur in einer Region), alle anderen Bedingungen gleich lassen, und dann sehen, ob die Grippe-Erkrankungen im Vergleich zu Kontrolldaten zurückgehen. Aber dabei belasse ich es für heute mal, es sind ja närrische Tage, da vergessen wir die Feinheiten. Auf geht’s, munter weiter geforscht:

Glühwein-Trinken verursacht Schneefall:

 

 

 Der Osterhase bringt wirklich die Eier:

 

 

Und wer bringt uns „DSDS“ – Vielleicht der Nikolaus?

 

 

Wenn ihr andere schöne ‘Zusammenhänge’ bei Google Trends findet, dürft ihr die gerne unten  in den Kommentaren publizieren!

PS:

In der Tat hat Google mit Hilfe der Trends-Anwendung eine Seite entworfen, die eventuell helfen könnte, Grippeepidemien früh zu erkennen und deren Ausbreitung zu verfolgen. Die Logik ist auch hier, dass viele Menschen erst mal ihre Symptome googeln,  noch bevor sie zum Arzt gehen. Alle diese Anfragen hinterlassen einen Fußabdruck auf Googles Servern. Da Google nicht nur den Zeitpunkt der Anfrage erfasst, sondern meist auch genau weiß, an welchem Ort jemand nach “Gliederschmerzen und Fieber” googelt, hilft dieser Ansatz vielleicht wirklich beim  Aufspüren und Nachverfolgen neuer Grippe-Herde.