Glyphosat, das Napalm der Bauern 3

Eine treffendere Satire über die Verblödungstaktik mancher Umweltverbände habe ich selten gesehen. Eine Horde Babys, in Reih und Glied im Acker eingetopft, spielt friedlich mit der Bodenkrume. Plötzlich Propellerlärm. Ein Flugzeug kommt angeknattert und sprüht Gift über die unschuldigen Säuglinge.

Die Botschaft: Pestizide, hergestellt um zu töten.

Genau so sind sie, unsere Öko-Fanatiker, dachte ich mir. Die stellen die Bauern ja auch beinahe als Baby-Mörder dar. Da werden sich BUND und Konsorten aber ganz schön auf den Schlipps getreten fühlen, wenn sie diese drastisch überzogene Verarsche ihrer Propagandamethoden sehen.

Aber Moment. Das Video läuft nicht bei den üblichen Verdächtigen für treffende Zuspitzung, beim Postillon oder in der Heute Show etwa, sondern tatsächlich auf der Seite des Umweltverbands BUND. Und die meinen das nicht etwa lustig, sondern offenbar todernst. Pestizide töten. Die Bauern bringen unsere Babys um. Ach so, dann.

 

UPDATE : Der BUND hat das Video jetzt aus dem Netz genommen, da es “seine Funktion offenbar nicht erfüllte“.

Andere, echte Bilder kommen mir in den Sinn, was vielleicht ganz im Sinne des BUND ist. Das Bild aus dem Vietnamkrieg etwa, in dem ein Mädchen vor amerikanischen Napalm-Bomben davonläuft. Glyphosat, das Napalm der Bauern?

Das BUND-Video soll zwei Dinge erreichen: Der BUND will Spenden sammeln. Und schärfere Regeln für den Gebrauch des Pflanzenschutzmittels Glyphosat durchsetzen. Die Hintergründe dazu hat Martin Ballaschk drüben bei den Scilogs erklärt, der sich in der Materie viel besser auskennt als ich. (UPDATE: Jetzt auch mit Faktencheck bzgl. der vom BUND zitierten Studien).

Hier nur soviel: Ich finde es gut, wenn Umweltverbände genau hinsehen, welche Stoffe in der Landwirtschaft zum Einsatz kommen, und eventuell auf Gefahren oder Alternativen hinweisen.

Aber bei Glyphosat geht es – bei verantwortungsvollem Gebrauch – eben erwiesenermassen nicht um eine Gefahr für Leben und Gesundheit. Glyphosat ist seit vielen Jahren im Einsatz, es hat andere, wirklich giftige Chemikalien unnötig gemacht. Und nur der Vollständigkeit halber: Es wird (zumindest in Deutschland) nicht mit dem Flugzeug, sondern gezielt eingesetzt, gerade soviel wie nötig. Es tötet weder Babys noch andere Menschen.

Im Gegenteil. Nur durch den Einsatz von wirksamen Pflanzenschutzmitteln wie Glyphosat können die Bauern genügend Nahrung herstellen. Im Jahr 2050 werden mehr als 9 Milliarden Menschen jeden Tag etwas zu Essen brauchen. Manche Alles-Bio-Fanatiker in Deutschland leben da oft in einer Traumwelt, in der die Bauern jeden einzelnen Getreidehalm liebevoll streicheln und mit der Pinzette bearbeiten sollen.

Apropos Bio: Ich frage mich, wie es dazu kommen konnte, dass sich Biowissenschaftler und Umweltverbände heute so gar nichts mehr zu sagen haben, wenn es um Pflanzenzüchtung und Gentechnik geht. Ich bin schließlich selbst mal mit einer BUND-Sammelbüchse um die Häuser gezogen, damals vor mehr als 20 Jahren. Und wenn es um Habitat-und Artenschutz geht, finde ich es auch heute noch wichtig, dass es Verbände wie den BUND gibt.

Aber neben wirksamen, risikoarmen Pflanzenschutzmitteln ein weiteres rotes Tuch für BUND und Co.: Die Gentechnik. Sie bringt aber auch neue Pflanzensorten hervor, die oft mit weniger Schutzmitteln auskommen und trotzdem Erträge steigern. Der BUND, Greenpeace und Konsorten ignorieren das. Propaganda und Ideologie siegen über Menschen- und Umweltschutz .

Die Wissenschaftler sind ja alle von Monsanto und Bayer geschmiert, man kennt die Sprüche. Aber „Keine Gentechnik!“ zu brüllen, verkennt die Vielschichtigkeit des Themas. Oft ist es nämlich durchaus schwierig, herauszuarbeiten, welche neuen Technologien wirklich nützen, den Bauern und den Verbrauchern, hier und in den Entwicklungsländern; und was vielleicht eher schadet.

Deshalb wäre es hilfreich, wenn Umweltverbände neue Technologien konstruktiv und unabhängig begleiten könnten. Aber auf den BUND und seine pauschale Verunglimpfung braucht spätestens nach diesem Propaganda-Video wirklich niemand mehr hören. Ein hoher Preis für kurzfristige (noch dazu negative) Aufmerksamkeit und ein paar Spenden-Euro.

 

3 thoughts on “Glyphosat, das Napalm der Bauern

  1. Brynja Nov 3, 2013 00:10

    Creepy! Ich hatte echt Gänsehaut bei dem Video… aber das ist ja genau, was erreicht werden soll. Rein in die Gefühle. Die volle emotionale Breitseite. Ganz schön gut gemacht…. aber verdammt manipulativ. Dass die mit solchen Methoden arbeiten, finde ich ziemlich krass! Diese Angstmacherei, dieses Unheilsschwangere, der Appell an die Retter vor den Bildschirmen, die Unschuld und Reinheit wiederherstellen müssen. Das ist der gleiche Tonfall wie bei Moralisten des rechten Pfades. Dieses emotionale Aufladen des scheinbar moralisch einzig richtigen Pfades, gegen Sünde und das Böse. Echt unheimlich!

    • HansZ Nov 3, 2013 18:36

      Ja, die marketing-technische Umsetzung finde ich auch bewundernswert, mal abgesehen vom Inhalt.

      Das Traurige ist ja auch, dass engagierte Ortsgruppen des BUND viel für Habitat-Schutz tun, Biotope pflegen, und oft konstruktiv und fundiert über Umwelt-sensible Vorhaben vor Ort diskutieren. Muss man sich da wirklich noch mit überzogenen Kampagnen profilieren?

  2. Benjamin Schlager Nov 5, 2013 21:38

    Interessante Sicht der Dinge die der BUND da an den Tag legt.
    Mich wuerde interessieren ob sich von den Mitarbeitern beim BUND schon einmal jemand die Frage gestellt hat wie eine pestizidfreie Landwirtschaft genuegend Nahrung zu einem leistbaren Preis produzieren soll. Abgesehen von der katastrophal schlechten Datenlage zur angeblichen Toxizitaet von Glyphosat ist dieses ein wichtiges Argument. Was bringen voellig pestizidfeie Nahrungsmittel wenn niemand sie sich leisten kann? Ah ich sehe schon – wir koennen dann wenigstens unvergiftet verhungern ! Mensch Dufte ! Ich wollte schon immer gesund sterben.

    Ich erinnere mich an eine Diskussion mit Tim Hunt in der er, mit aehnlichem Bloedsinn konfrontiert, gemeint hat:
    “You know – I grew up in England just after the war – I was quite happy when food became affordable”. Es scheint eine Eigenart der Wohlstandsgesellschaft zu sein die Vorzuege der Entwicklung in Agrikultur und Medizin zu vergessen und sie gegen pseudoreligioese Antiwissenschaftlichkeit zu ersetzen.

    Ich lege dem BUND eine etwas bescheidenere Kommunikationsform ans Herzen.

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